Focus online:
29.7.2010
Atomindustrie dringt auf „15 Jahre plus X“
Die EPR-Technologie wurde seit Ende der 80er Jahre von einem deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen entwickelt. Beispiele wie diese zeigen, dass Deutschland in Sachen Kerntechnik international ein gefragter Partner ist.
Seit 1998 war die öffentliche Förderung der Kernenergieforschung stark rückläufig. In der Folge arbeiteten Ende 2007 nur noch knapp 800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen an Fragen der Sicherheits- und Entsorgungsforschung; das waren 15 Prozent weniger als noch 2005. Am Forschungsprojekt für neue Reaktortypen der vierten Generation durfte sich Deutschland aus politischen Gründen bis vor kurzem gar nicht beteiligen. Dabei wird selbst bei Fortsetzung der Ausstiegspolitik allein für den Rückbau kerntechnischer Anlagen noch über Jahrzehnte hoch qualifiziertes Personal benötigt. Die Bundesrepublik steht außerdem klar in der Verantwortung, wenn es um das Sicherheitsniveau der Kerntechnik weltweit geht.
Mittlerweile gibt es hoffnungsvolle neue Töne in der Bundesforschungspolitik:
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte im Jahr 2008 eine deutliche Aufstockung der öffentlichen Fördermittel für die Kernenergieforschung an. Insgesamt 37 Millionen Euro stellt das Ministerium dafür bis 2010 bereit. Mit der nuklearen Projektförderung, die Bestandteil der vor drei Jahren verabschiedeten nationalen Hightech-Strategie zum Klimaschutz ist, sollen vor allem Forschungen zur Reaktorsicherheit, zum Strahlenschutz und im Bereich Endlagerung vorangetrieben werden.
Der Kompetenzverbund Kerntechnik leistet hierzu einen entscheidenden Beitrag. Dieser Forschungszusammenschluss, zu dem neben vielen Universitäten auch die Kernforschungszentren in Karlsruhe, Jülich und Dresden-Rossendorf sowie die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gehören, hat sich den Erhalt kerntechnischer Kompetenzen zur Aufgabe gemacht. Er wird umfassend von der deutschen kerntechnischen Industrie unterstützt. Auf Initiative der Landesregierung Baden-Württemberg ist vor zweieinhalb Jahren zudem der Südwestdeutsche Forschungs- und Lehrverbund Kerntechnik aus der Taufe gehoben worden
Die kerntechnische Branche hat darüber hinaus selbst vielfältige Anstrengungen zum Erhalt und Ausbau der kerntechnischen Kompetenz in Deutschland unternommen. So engagieren sich die deutschen Kraftwerksbetreiber an mehreren deutschen Hochschulen für den Erhalt der kerntechnischen Forschungskapazitäten. Beispiele hierfür sind die Nuklear-Professur "Anlagendynamik und Reaktorsicherheit" an der Universität Karlsruhe (EnBW), die Stiftungsprofessur "Endlagersysteme" an der Universität Clausthal-Zellerfeld (GNS), die Lehrstühle "Reaktorsicherheit und -technik" und "Simulation in der Kernforschung" an der Universität Aachen (RWE/Thyssen-Krupp) oder der zum 1. April 2007 eingerichtete "E.ON Energie Lehrstuhl für Nukleartechnik" an der Technischen Universität München.
Darüber hinaus veranstaltet das Deutsche Atomforum seit 2002 regelmäßig Kolloquien für Studentinnen und Studenten technisch-wissenschaftlicher Studiengänge. Im Mittelpunkt der mehrtägigen Veranstaltungen, die unter Beteiligung von namhaften Forschungseinrichtungen und internationalen Unternehmen durchgeführt werden, stehen Vorträge und Diskussionen zu verschiedenen Fragestellungen der Kernenergienutzung. Gleichzeitig haben die Studierenden die Möglichkeit, sich im direkten Kontakt mit Unternehmen und Institutionen aus erster Hand über die vielfältigen, auch beruflichen Perspektiven der Kernenergie zu informieren. Insgesamt mehr als 700 junge Frauen und Männer besuchten bisher diese Veranstaltungen.